Anoxinon Inside - Teil 3

Interview mit Cebeer aka. Cedric Brier

Nachdem es größeres Interesse an den Personen hinter dem Verein gab, haben wir beschlossen eine kleine „Interviewreihe“ zu veröffentlichen. Mein Name ist Anxi,
ich bin das Maskottchen von Anoxinon und führe durch das Interview. :)
Mein heutiger Gast ist Cedric Brier, 2. Vorsitzender des Anoxinon e.V.


Anxi: Hallo Cedric, stell Dich doch mal unserer Community vor!

Cedric: Hallo zusammen, die meisten werden mich unter meinem Nicknamen „Cebeer“ kennen. Ich bin Gewinner der Weltmeisterschaften im Sitzen 1812 und verantwortlich für die Inhalte des Vereins, sowie für die Mitgliederverwaltung und die ehrenamtlichen Mitarbeiter. Man genießt mich am besten mit einer Prise Zynismus, Sarkasmus und schlechten Witzen.

Anxi: Womit beschäftigst Du Dich in deiner Freizeit? Was macht Dir am meisten Spaß?

Cedric: Entweder spiele ich Videospiele, lese Bücher/Manga, schaue Anime/Serien oder beschäftige mich mit den Themenbereichen von Anoxinon, sowie dem Verein und seinen Belangen selber. Welches Ich davon am liebsten mache, ist schwer zu beantworten. Das hängt ganz von meiner Laune ab. :P

Anxi: Welches Betriebssystem verwendest Du und wieso?

Cedric: Ich verwende seit etwa 4 Monaten ausschließlich Linux als Desktop. Davor hatte Ich noch Dual-Boot mit Windows eingerichtet, hauptsächlich wegen der Videospiele die nicht oder nur schlecht emulierbar waren. Da Ich aber andere Lösungen dafür gefunden habe läuft nun Fedora 29 auf meinem PC. Auf Servern, die Ich privat betreibe, läuft meist Debian.

Es gibt natürlich noch andere Gründe wieso Ich mich für Linux entschieden habe, unter anderem die Möglichkeit selbstbestimmt über mein System zu entscheiden. Mein Verhalten und meine Nutzung werden nicht irgendwo ins Nirvana an gesichtslose Unternehmen übertragen und ausgewertet. Natürlich hängt das davon ab welche zusätzliche Software man sich installiert. Muss jeder selber wissen. ;)

Außerdem kann Ich damit anstellen was Ich möchte.

Anxi: Was hat dein Interesse an Linux geweckt? Wie waren deine ersten Erfahrungen in diesem Bereich?

Cedric: Die Ereignisse rund um Snowden, die nachfolgenden Leaks und das Treiben von manch einer Firma sowie staatlichen Institutionen, haben bei mir ein Bewusstsein geschaffen. Seitdem lege Ich wesentlich mehr Wert auf Datenschutz und die dazugehörigen Themen. Davor hat es mich, auch altersbedingt, kaum interessiert was im Hintergrund passierte solange es funktioniert hat. Die Themen selber waren für mich unbedeutend.

In Linux habe Ich die Möglichkeit gesehen, ein Stück weit Kontrolle über meine Geräte zurückzugewinnen. Natürlich hat auch die Community und das ganze Drumherum einen größeren Anteil daran gehabt.

Meine ersten Erfahrungen mit Linux habe Ich an einem lauen Sommertag gesammelt. Zuerst war Ich ziemlich genervt, weil Ich noch nie damit zu tun hatte, aber nach und nach habe Ich mich daran gewöhnt. Nachdem Ich mehrere Dutzend Distributionen ausprobiert habe, waren Linux Mint und dann Fedora mein Favorit.

Anxi: Wie ist deine Einstellung zu Dezentralen Netzwerken, sowie Open Source/Free Software? Gibt es etwas dass dich besonders fasziniert?

Cedric: Aus oben genannten Gründen, sollte man in etwa nachvollziehen können wie meine Einstellung zu dem Thema ist. Ich stehe dem sehr offen gegenüber.

Dezentralisierte Netzwerke, deren Quellcode einsehbar ist, halte Ich für essenziell wichtig. Natürlich sind sie kein heiliger Gral aber Ich denke, dass Sie für ein neutraleres und unabhängigeres Netz sorgen. Wenn nicht alle Daten an einem Ort gehortet werden, ist es schwieriger für bösartige Ströme diese für Ihre Zwecke zu missbrauchen. Open Source und Free Software sind verschiedene Themen. An sich kann ich nur dazu sagen dass sie genauso fördernswert sind. Freier Zugang für alle und die Möglichkeit selber nachzuprüfen zu können was die Software macht, ist wichtig.

Anxi: Gab es Ereignisse die maßgeblich zu dieser Einstellung beigetragen haben?

Cedric: Es sind eher mehrere Punkte, die in das Ganze mit eingeflossen sind.

Als Negativbeispiel könnte man China mit Ihrem Social-Credit System anführen, dass man als missratenes Kind der staatlichen und privaten Massenüberwachung bezeichnen sollte. Die Five Eyes mit Ihren Maßnahmen und Programmen die immer wieder mit den gleichen Argumenten verteidigt werden, Sicherheitslücken und Backdoors die absichtlich offen gehalten werden, Firmen die dich ausziehen und bis zum Tode analysieren, bewerten und kategorisieren, sowie Amtsträger die das Prinzip einer Pro/Contra Liste nicht verstanden haben. Es ist wahrscheinlicher durch einen Autounfall zu sterben als von einem Terroristen ermordet zu werden. Rechtfertigt das Fehlverhalten von wenigen Menschen, die Gesellschaft in ein Glashaus zu setzen? Ich würde hier klar mit nein antworten. Mal abgesehen davon, dass Kriminelle immer andere Wege finden.

Anxi: Welche Themen bekommen zu wenig Aufmerksamkeit, deiner Meinung nach? Wo ist noch Nachholbedarf?

Cedric: Es gibt auf der Welt viele Probleme, aber bezogen auf diesen Themenbereich würde ich sagen:

  1. Die Open Source Community selber muss aktiver werden. Unter anderem im Beitragen, Weitersagen und bei der Überprüfung des Codes. Open Source bedeutet nicht automatisch Sicherheit, wenn keiner den Code überprüft.

  2. Finanziell muss sich das ganze Lohnen. Wenn jeder einen Euro für das meistgenutzte Open Source Programm abdrücken würde, hätten wir wesentlich mehr Leute die an diesen schneller und effizienter arbeiten könnten. Immerhin möchte jeder am nächsten Morgen etwas warmes zu Essen und ein Dach über dem Kopf haben. Alles kostet Geld. Dasselbe gilt für dezentrale Dienste.

  3. Staatliche Institutionen sollten nicht in BlackBox Software investieren, sondern stattdessen auf „Public Money – Public Code“ setzen.

  4. Datenschutz selber. Logischerweise sind Daten notwendig um z.B. eine Bestellung abzuwickeln. Hierbei geht es mir hauptsächlich um Zweckbindung und Minimierung. Die DSGVO war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, aber noch nicht genug.

  5. International muss mehr Interesse für solche Themen geweckt werden.

Mehr schreib Ich mal nicht, sonst wird das hier noch ein Monolog mit 10 Seiten :D

Anxi: Wie siehst du die Entwicklungen in der Zukunft?

Cedric: Düster, aber das Licht am Ende des Tunnels wird gerade repariert. Dem Beispiel von Thomas mit dem PayTV kann Ich mich nur anschließen. Der Trend geht weiter in Richtung der Zentralisierung und Kommerzialisierung. Es gibt aber viele tolle Leute die trotz allem weiterhin Ihre Ziele verfolgen. Es wird nicht einfacher werden in der Zukunft. Deswegen aber sitzen zu bleiben und nichts zu machen weil sich eh nie was ändert, halte Ich für gefährlich. Die Digitalisierung ist noch nicht vollständig abgeschlossen, jetzt ist noch Zeit das ganze in die Richtige Bahn zu lenken, auch wenn es schon fast kurz vor Mitternacht ist.

Anxi: Anderes Thema: Warum hast Du dich entschlossen, als einer der treibenden Kräfte, Anoxinon zu gründen?

Cedric: Alleine kann man nur wenig verändern. Gemeinsam ist man stärker, sowohl von wirtschaftlicher, als auch von geistiger Seite aus.

Mir ist es wichtig nicht nur über diese Themenbereiche aufzuklären, sondern auch gleichzeitig Alternativen anzubieten und Wissen zu teilen. Aus meinen vergangen Beteiligungen an privaten Projekten weiß Ich nur allzu gut woran es scheitern kann und am Ende auch gescheitert ist.

Als Verein hat man festgelegte demokratische Prozeduren und wirtschaftliche, sowie personelle Unabhängigkeit. Wenn mal jemand keine Zeit mehr für den Verein hat, geht deswegen nicht alles den Bach runter. Im Leben kann ja relativ viel dazwischenkommen.

Anxi: Worin siehst Du Deine Aufgabe im Verein? Was ist dein persönliches Ziel im und für den Verein?

Cedric: Momentan kümmere Ich mich um die Inhalte des Vereins, um Ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitglieder. Außerdem berate Ich gemeinsam mit der Vorstand über alle Angelegenheiten die den Verein betreffen.

Im späteren Verlauf, wenn der Verein wächst, werde Ich nach und nach ein paar Aufgaben delegieren um mich hauptsächlich um die Inhalte zu kümmern. Ich sehe das auch als meine Hauptaufgabe im Verein. Derzeit ist das Arbeitspensum der beiden anderen Bereiche noch übersichtlich genug. :)

Logischerweise ist mein Ziel für den Verein eine verlässliche Anlaufstelle für alle zu bieten, transparent zu bleiben und gleichzeitig auch noch auf Leute zuzugehen.

Anxi: Was hat Dich dazu bewegt als 2. Vorsitzender aktiv zu werden?

Cedric: Da Ich zusammen mit Christopher aka. Skyfar den Stein ins Rollen gebracht habe, bin Ich nicht vor der Verantwortung zurückgeschreckt die damit einher kommt. Mir ist es wichtig den Verein und alles drumherum voranzubringen, auch wenn es manchmal echt kräftezehrend ist.

P.S.: Man denke nur an die Brexit Befürworter die sich alle zurückgezogen haben und keine Verantwortung übernehmen wollten. So einer bin Ich nicht :P

Anxi: Danke für das Gespräch :)


Das nächste Interview wird voraussichtlich kommenden Woche erscheinen. Bis dahin :)


Veröffentlicht von am in allgemeines, interview , verein mit den Tags Interview, Verein, anoxinon , gründung und beinhaltet 1333 Wörter.